WESEN IM ÜBERGANG
Der Traum
im Auge des Tänzers
erfordert neue Beweglichkeit
über die Grenzen der Form
Zu lange
haben wir süchtig nach Leben
aber vom Ursprung getrennt
in der Arena gekreist
und Jugendhelle
in einem Wettkampf verloren
der nicht zu gewinnen ist
mit der Perfektion alter Spiele
Sieh doch: die Götter
haben die Ränge längst verlassen
leere Trophäen blieben zurück
und der Mensch
vor dem nächsten Schritt
Wir sind ein Wesen im Übergang
Material einer formlosen Form
und versuchen
besessen vom Untergang
durch Messen der Kräfte
dem dunklen Kokon
und
dem eigenen Greis
zu entfliehn
Konsequenzen sind einfach:
Wiederholung ist tödlich
und auch Stillstand
ist nicht das Ziel
die Angst ist noch nicht
bis zum Ende gegangen
jeder Schritt bricht mit
Schmerzen den Widerstand
wer jetzt umkehrt
ist einer zuviel
|
GRENZLAND
Ein Traumland ist dieses
auch nach Jahren noch gleißend
und unwirtlich überzogen
von einer Patina in der sich
Okkultes mit Widersprüchen
zu extremen Mustern verwischt
Die Luft getränkt mit Bewegung
im Geruch von Jasmin und Zerfall
ist die Erde röter als anderswo
in diesem Land
atmen selbst die Winde
Legenden aus
deren Helden
die Essenz der Jahrhunderte
durch die Hütten der Dörfer tragen
Tagsüber gehen die Dinge
flimmernd ineinander über
unklar wo das Menschliche aufhört
und der Gott beginnt
der unter der Palme steht
und zu uns hersieht
Abseits der großen Straßen
am Rande des letzten Reisfelds
enthüllt sich seine Gefährtin
in ihrer üppigen Pracht
ihre Haare treiben wie Luftwurzeln
über dem Lotosteich
den ein elefantenköpfiger Sohn
gelassen bewacht
Ich sah sie Momente zuvor
in der beißenden Schwingung
sonnenverkarsteter Ebenen
eine schädelbehangene Mutter
die ihre Kinder am Mittag frißt
und am Abend erneut gebiert
Im Grenzland spür ich sie deutlich
während der Fahrt
ruht der Kopf an der schwarzen Brust
auf Verbrennungsplätzen
hat sie die Milch geschöpft
für ihr köstliches Spiel
Das mich einflicht
auch nach Jahren noch
in die Stimmung der heiligen Stunde
in der sich das Licht wieder
mit dem Boden versöhnt
und die Hufe der Rinder
den Staubschleier
zwischen Auge und Ferne legen
Berührung keimt auf
im Dunst von Nahrung und Rauch
in den milderen Farben
der Dämmerung
hält das Vertraute den Blick und
die Frau mit den vielen Gesichtern
entzündet geduldig den ersten Docht |